Energie kommt nicht von selbst

Energie kommt nicht von selbst

„Schönheit liegt wahrlich alleine im Auge des Betrachters.“, schoss es mir durch den Kopf, als ich letzte Woche von einem meiner Seminare bei strahlendem Sonnenschein durch Dithmarschen zurück nach Hause fuhr. Als Norddeutscher von Klarheit, Weite, Wind und Wetter geprägt, drängten sich in meinen Blick links und rechts der Straße mehr und mehr Wegweiser einer Umwälzung, die ich so in anderen Regionen nur selten in ihrer Zunahme derart bewusst wahrgenommen habe: Windräder.

Wind of Change
Nach vorne statt zurück gucken

Einer der Eckpfeiler einer neuen Energieepoche. In großen Mengen naturgemäß dort vorhanden, wo der Wind ungehindert wehen kann und sich ihm nichts in den Weg stellt. Ich muss zugeben, optisch empfinde ich – bei allem, was sachlich für sie sprechen mag – diese Zeugen einer energetischen Neuorientierung als eine echte Belästigung. Unabhängig von möglicherweise noch anderen Auswirkungen, die sie auf direkte Anlieger oder ihre nähere Umgebung gegebenenfalls haben mögen: Schön sind sie nicht.

Doch jedesmal, wenn ich mich über Ihren Anblick echauffieren will, muss ich mich selbst berufen. Die Welt dreht und entwickelt sich nun einmal. Nichts bleibt, wie es ist und nichts wird, wie es war.

wp_20160923_029Energie kommt eben nicht von selbst. Für sie müssen wir etwas tun. Neue Ideen entwickeln, forschen, ausprobieren und umsetzen. Sonst bekommen wir ein Problem. Stillstand, Unsicherheit und sicherlich keinen Fortschritt. Also heißt es im besten Sinne des Wortes, „Augen zu und durch.“ Die Landschaft genießen, ohne zu bedauern, dass sie nicht mehr so aussieht, wie unsere Erinnerung es uns eingibt.

Heute sieht sie halt so aus, wie unsere Zeit es erfordert. Wenn die Windräder dort stehen, zeigen sie, dass man Herausforderungen annehmen und sinnvolle Lösungen für sie finden kann. „Besser Windräder in der Nachbarschaft, als Atomkraftwerke im Garten.“, denke ich in solchen Momenten Der Preis dafür, in Form einer veränderten Landschaft, scheint mir aus diesem Blickwinkel vertretbar.

An sich ist es doch wie im übrigen Leben auch: Mit Wehmut oder Freude vergangenen Erinnerungen nachzuhängen, ist normal, glaube ich. An ihnen jedoch um jeden Preis festzuhalten, behindert. Lässt man seine Erinnerungen nicht im richtigen Moment los, fällt es schwer die Gegenwart zu meistern und weiter zu kommen. Niemand soll vergessen, was wichtig für ihn ist, wahrlich nicht. Denn Erinnerungen können viel Lernpotenzial in sich bergen. Wenn man vernünftig mit ihnen umgeht. Sich an sie zu klammern, sie gar zu umklammern, ist jedoch der falsche Weg. Dann sind sie zäh und klebrig wie kalter Honig. Und versperren einem den klaren Blick auf das, was notwendig ist, um seine Probleme zu lösen oder neue Wege zu beschreiten. So jedenfalls habe ich es in meinem Leben erfahren.

Insofern werde ich mich bei meiner nächsten Fahrt in Richtung Nordsee einfach darauf konzentrieren, die Landschaft weniger mit einem wehmütig getrübten Auge zu sehen, als vielmehr mit einem offenen neugierigen Blick wahrzunehmen, wie sich in der Sonne die Räder in Richtung Zukunft drehen.

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