BBBrrr…exit – in der Geschichte liegt der Schlüssel

Inzwischen kann ich das Wort schon fast nicht mehr hören, unabhängig davon, wie wichtig es für uns ist: Brexit! Aufruhr in den Parlamenten, den Kabinetten und viel Rauch um…ja was eigentlich? Auf jeden Fall um nichts, was nicht lösbar wäre und auch gelöst werden wird. Wie, das sei für den Moment mal dahingestellt.

Aufgefallen ist mir zu dem Thema allerdings ein Artikel in der Zeitung DIE WELT v. 24.06.2016 (Ein Volk von Seefahrern) der mir wieder deutlich machte, wie sehr ihre Geschichte Menschen in ihren Urteilen und ihrem Handeln beeinflusst: „Großbritannien argumentiert von seiner maritimen Geschichte her, dem Muster seiner Identität.“ Über Jahrhunderte verinnerlicht, ist entsprechend den Regeln des Wassers für die Briten „flexibles Reagieren auf wechselnde Konditionen“ anscheinend eine der bestimmenden Maximen für das eigene Leben. So soll schon Lord Nelson am Vorabend der Schlacht von Trafalgar (1805) die Anweisung an seine Kapitäne gegeben haben: „Something must be left to chance, nothing is sure in a sea fight – etwas muss dem unberechenbaren Augenblick überlassen bleiben, nichts ist sicher in einer Seeschlacht.“

Wenn die Lage es erfordert, sich auf sich selbst zu besinnen, selbständig zu entscheiden und sich die Möglichkeit offen zu halten, aus Fehlern lernen und umkehren oder etwas ändern zu können, ist offensichtlich tief in der britischen Mentalität verankert. Nichts ist unabwendbar, nichts ist alternativlos. Abseits aller faktischen und sachlichen Argumente eines Für oder Wider der aktuellen Situation, kann ich ihre in dem Artikel formulierte grundsätzliche „Abneigung gegen die Gefangennahme der Zukunft durch Entscheidungen, die ein Zurück“ oder Ändern ausschließen nachvollziehen.

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Denn die dem gegenüber stehende, von Ausschließlichkeiten geprägte, typische „German Angst“ vor Veränderungen und Abweichungen beunruhigt nach meiner Erfahrung die Menschen in der Regel mehr, als dass sie hilft, weil sie ein Denken in Opportunitäten ausschließt und selbständiges (Re-)agieren oft verhindert.

Die eigene Geschichte … sie prägt uns. Die einen handeln so, die anderen so. Nicht falsch, nicht richtig. Aber der Situation vielleicht häufig nicht angemessen. Mehr Wissen darüber, wie sich Verhaltensweisen, Einstellungen und Ansichten in der Vergangenheit entwickelt haben, würde individuell wie gesellschaftlich helfen, sich und einander besser zu Verstehen; um die Zukunft – gemeinsam – sinnvoll zu gestalten.

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