Was wollten Sie eigentlich schon lange einmal tun?

Nun ist es soweit; lange von uns befürchtet und doch immer wieder verdrängt. Er wird einfach müde. Kommt er morgens noch willig in Fahrt, hapert es mit zunehmender Temperatur inzwischen jedoch mit der Gasannahme und die ein oder andere Warnleuchte versucht auch gerne zwischendurch auf sich aufmerksam zu machen. Unser kurz vorm Youngtimer Alter stehende und aus Sentimentalität privat behaltene erste Firmenwagen kommt eben einfach in die Jahre. Dabei haben wir uns regelmäßig jeden Frühling vorgenommen noch einmal etwas Ausgefallenes mit ihm zu unternehmen. Ehe wir es uns versahen, war das Jahr dann allerdings meistens um.

Ich bin Auto Fan. Durch und durch. Dazu stehe ich. Von Kindesbeinen an verbinde ich mit dem Geräusch von 4, 6 oder gar 8-Zylinder Motoren, dem Geruch von Zweitakt-Gemisch und dem Gefühl des Fahrens an sich viele Erinnerungen. Ob gut oder schlecht, sie gehören dazu und blitzen noch heute kurz auf, wenn ein ‚echter‘ Käfer, Bulli, 911, Diplomat oder Commodore mir über den Weg fährt oder auch ‚mein‘ erstes Moped zufällig irgendwo um die Ecke biegt. Einfach nicht zu überhören und mit dem Duft damaliger Erlebnisse eng verbunden.

croissant-101636_960_720Mich faszinierte schon immer das Individuelle an dieser Art der Fortbewegung und die Freiheit der Entscheidung über die eingeschlagene Richtung. Selbstverständlich kenne ich die Einwände. Und natürlich sind sie auch nicht völlig von der Hand zu weisen. In der Stadt, im Stau, bei den Baustellen; von wegen Individualität, von wegen Freiheit der Entscheidung. Stimmt. Allerdings besteht diese Welt nicht nur aus Städten, Staus, Leitplanken und Baustellen. Die Momente dazwischen, die Möglichkeit der Laune nachzugeben und abbiegen zu können. Oder anzuhalten, wenn einem danach ist. Die sind es, die für mich den Reiz ausmachen. Ob ich sie immer nutze oder dies dann auch wirklich kann, wenn ich es will, steht auf einem anderen Blatt. Allein der Gedanke ich dürfte, allein die Chance zu haben, es umzusetzen, wenn mir danach ist, ist für mich gefühlt Gold wert.

Deswegen kommt mir immer, wenn wir mal wieder mit ihm unterwegs sind, das Dach öffnen und im Vergleich zu vielen, weit moderneren Autos das Fahren noch wirklich spüren, ein Lied meiner Jugend und seine Melodie besonders in den Sinn. „Mit einem Taxi nach Paris, nur für einen Tag. Mit einem Taxi nach Paris, weil ich Paris nun mal so mag. Mit einem Taxi nach Paris und vielleicht ein kleines Rendezvous….“ (Felix de Luxe,1984) Und ich denke: „Warum eigentlich nicht? Gemeinsam spontan los und weg … Wenn vielleicht auch nicht nach Paris, dann möglicherweise aber nach Wien, Rom oder Amsterdam. Egal, im Grunde geht es nicht um den Ort, sondern um das Erlebnis. Das Erleben als solches. Wir sollten es nicht auf die lange Bank schieben, sondern machen. Denn irgendwann fährt er nicht mehr; und dann ist es zu spät.“

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Mal sehen, wie der Sommer sich entwickelt. Vielleicht ja dieses Jahr.

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