Neun Monate – eine Idee muss reifen

„Nur die im Wandel Souveränen seien in der Lage, die Zukunft gestaltend fortzuschreiben“ zitierte ich vor neun Monaten in meinem letzten ‚Gedankensplitter‘ aus einem Zeitungsartikel vom März diesen Jahres. „Gut gebrüllt, Löwe…“, dachte ich hierzu, als ich heute endlich wieder die Muße für einen neuen Beitrag fand, „…aber irgendwie auch leichter gesagt, als getan.“

Gerade, wenn es um das eigene Leben geht. Und das letzte Arbeitslebensdrittel persönlich wie beruflich noch Spaß machen soll. Grundschule, Gymnasium, Ausbildung, Studium – gehe ich gedanklich von einem Beginn des aktiven Arbeitslebens mit rund 18 Jahren aus, sind im Alter von etwas über 50 gut 2/3 bis zum Beginn der Regelaltersrente um. Auch wenn manche sich dann gerne mit dem Gedanken trösten, wie schön es sein wird, mit Beginn der Rente endlich zu leben, Enkelkinder zu hüten und Unkraut zu jäten, so denke ich, die Zeit bis dahin muss mehr bieten, als diese vermeintliche Vorfreude. Und für meinen Teil erscheinen mir zugegebenermaßen auch danach Enkelkinder hüten und Unkraut jäten allein weder als erstrebenswert noch als erfüllend.

Aber zurück zum Kern: Was genau nun ist dieses ‚mehr‘, welches die Zeit bis dahin bieten sollte? Darüber habe ich versucht, mir in den vergangenen Monaten neben meiner Arbeit klar zu werden. Welches Arbeits-/Lebensmodell würde Spaß und Sinnhaftigkeit für mich widerspiegeln? Worüber müsste ich nachdenken? Wohin soll und kann sich alles entwickeln?

Das heißt, abseits von Abenteuer, Ausstieg und Lottogewinn, was kann ich als ‚normaler Mensch‘ tun, um ab 50 auch weiterhin zufrieden meinen Weg gehen zu können? Speziell, wenn ich einer Generation angehöre, der eingetrichtert wurde, auf jeden Fall immer an die Rente zu denken, zu berücksichtigen, dass Sicherheit wichtig ist und nie aus den Augen zu verlieren, dass es später auch zum Leben reichen muss.

Dabei habe ich festgestellt, dass, neben den Haaren, sich auch der Freundeskreis in seiner Entwicklung hier und da lichtet, viele Wege einen anderen, als den früher erhofften Verlauf genommen haben und traurigerweise manche Weggefährten leider schon nicht mehr leben. Als Zwischenfazit ziehe ich für mich somit die Erkenntnis, dass es für Veränderungen zwar nie zu spät ist, jedoch der Spielraum mit zunehmenden Lebensalter ohne eigene Anstrengung eher kleiner wird.

Deshalb allerdings den Kopf in den Sand stecken und bis zum möglichen Tag X alles nur noch vor sich hinplätschern lassen? Nein, das wäre falsch. Denn, die Erde dreht sich und wir uns mit ihr.

So wie am Ende vieler Reifeprozesse oft schlagartig neuer Schwung in unseren Alltag kommt, braucht es deshalb wahrscheinlich mehr einen kräftigen Sprung als einen vorsichtigen Schritt, wenn man mit gut 50 seine Zukunft nicht nur fortschreiben, sondern sinnvoll gestalten will. Also gut … Auf die Plätze, fertig, los!

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