Change Management

Anglizismen, Managersprech und IT-Abkürzungen durchziehen unseren Alltag. Work-Life-Balance, Return on Investment, Bottom up, Top down, VoIP, die Liste ließe sich beliebig verlängern. Und meine Eltern wüssten nicht einmal mehr, worüber ich mit ihnen spreche; so ich es denn auf diese Weise mit ihnen täte. Aber ehrlich gesagt, ich finde, das ist in Ordnung so.

Denn würde nicht alles andere nur auf Stillstand hindeuten? Keine Veränderung, keine Bewegung. Wo wären wir ohne die technischen Entwicklungen, die Änderungen von Sprachbedeutungen und Redewendungen oder die vermeintlichen Brüche im Leben? Vermutlich nicht nur gedanklich noch im vorigen Jahrhundert. Wenn ich daran denke, wie langsam mein erster Computer arbeitete, was er konnte und man selber noch beherrschen musste, um Texte fehlerfrei zu Papier bringen zu können. Kein Drag & Drop, Copy & Paste oder Mausklick. Lediglich DOS Befehle. Oder Drucken. Mit Nadeldruckern. Heute nur noch im Museum oder Arztpraxen zu bewundern. Geschweige denn Speichern. Auf Floppy Disks, mit einem in KB angegebenem Speichervolumen und damit meilenweit entfernt von Giga- oder Terrabyte. Selbst mit viel Phantasie war, wahrscheinlich nicht nur für mich, damals nur schwer vorstellbar, was heute selbstverständlich ist. Statt mit Choke zu starten, fährt mein Auto inzwischen mit ESP, ASR, ABS und weiß der Henker noch womit. Mein Telefon benutze ich nur noch zu einem Bruchteil der Zeit entsprechend seiner eigentlichen Bestimmung und Reisen buche ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr im Reisebüro. Und fühle ich mich schlecht damit? Nicht die Bohne, gebe ich zu.

Wie komme ich darauf? Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf als ich am Wochenende in einem Artikel las, dass ein bürgerlicher Lebensentwurf bedeuten würde, „die eigene Biografie weniger in Kontinuitäten zu genießen, sondern als eine Aneinanderreihung von Chancen auf Neuanfang.“ (Die Welt 18.03.2017) Denn erfahrungsgemäß bliebe fast nichts, wie es ist, und nur die im Wandel Souveränen wären in der Lage, die Zukunft gestaltend fortzuschreiben. Dabei sei Ehrgeiz weder eine Sache des Alters, noch der Hierarchie.

Wenn das ‚bürgerlich sein‘ charakterisiert, dann fühle ich mich wohl, ein Bürger zu sein.

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